Gastbeitrag: Wie ich zum Urlaub mit meinen Freunden in Schweden eingeflogen wurde

Ich schreibe diesen Gastbeitrag etwas demütig, denn ich habe meinen Vater viel zu lange auf diesen Bericht warten lassen. Würde er sich so viel Zeit lassen, wäre ich noch heute nicht in Schweden angekommen. Aber gut, was soll’s, was lange währt, wird endlich gut (oder so ähnlich).

Ein paar Hintergründe können sicherlich nicht schaden, wie kam es überhaupt zu diesem Flug? Für den vergangenen Sommer haben drei meiner Freunde eine Floßtour durch Schweden geplant, ich war von der Idee sehr angetan und wollte unbedingt dabei sein. Das einzige Problem war jedoch die Logistik, die drei sind schon eine Woche vor mir mit dem Auto nach Schweden gefahren, die Floßtour sollte in ihrer zweiten Woche erfolgen. Ich musste also nachreisen, nur wie? Mit der Bahn? Ein eigenes Auto habe ich nicht und die Bahn war keine wirkliche Alternative. So war die Schnapsidee geboren, dass ich doch einfach eingeflogen werde, sie mich einsammeln und wir die letzen Kilometer zum Start der Floßtour zusammen in deren Auto machen könnten.

Papa war für unsere Schnapsidee Feuer und Flamme, er freut sich immer, wenn wir bei ihm mitfliegen, wir so Zeit miteinander verbringen und diese Tour wäre die mit Abstand größte und anspruchsvollste. Das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber meine Freunde und ich hatten noch nicht einmal geklärt, was ich an Gepäck bei denen schon ins Auto packe und was ich im Flugzeug mitnehme (der Platz ist bekanntlich begrenzt), da hatte Papa quasi schon den ganzen Flug minütlich durchgeplant: fein säuberlich Karten und Flugplätze studiert, Spritreserven und Tankstops sowie Verschnaufpausen für den nur Kurzstrecken gewohnten Sohn eingeplant.

Es konnte also gar nichts schief gehen, denn wenn mein Vater etwas plant, dann hat das Hand und Fuß und nur die Natur könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen (sie müsste natürlich auch seine Notfallpläne B und C durchkreuzen).

Der Tag des Abflugs kam, wir fuhren bei bestem Wetter zum Flugplatz Rendsburg und machten uns Stück für Stück an die Beladung. Da wir über Wasser fliegen würden, bekam ich eine Schwimmweste, mit deren Gebrauch ich aber zu keiner Zeit gerechnet habe, da ich Papas Flugkünsten zu 120% vertraue. Ein bisschen nervös war ich natürlich, schließlich hatte ich noch nie über einen längeren Zeitraum als eine halbe Stunde in der Piper verharren müssen und hatte jetzt mehrere Stunden vor mir. Ich freute mich aber auch tierisch über den bevorstehenden Urlaub, die Floßtour mit meinen Freunden und natürlich das Abenteuer eines, für meine Verhältnisse, Langstreckenflugs mit Papa.

Unser erster (Tank)-Stop sollte Höganäs sein und der Flug über die Ostsee mit u.a. Kappeln und Eckernförde war schon sehr schön, die kleinen Ortschaften aus der Luft und mit dem Wasser zu sehen, das war schon beeindruckend und ich war fleißig am Bilder knipsen. Nach der Landung begrüßte uns direkt der Platzwart Lasse, ein total netter Kerl, mit dem wir noch etwas klönten und er daraufhin Papa auf seinem Rückflug direkt zum Matjesessen (Fly-In) eingeladen hat. Der Flugplatz in Höganäs war sehr schön und gastfreundlich, auswärtige Piloten kämen dort bei Bedarf sogar in den Genuss eines Bettes. Lasse zeigte uns noch ein total beeindruckendes Bild, das er von unserer LH im Sonnenuntergang gemacht hatte. Von Lasse habe ich auch meine ersten und bis heute einzigen Wörter Schwedisch gelernt: „Joa“, „Nöy“, „Öl“ – die wirklich wichtigen Dinge: „Ja“, „Nein“ und „Bier“.

Nach der Verschnaufpause ging es mit vollen Tanks in Richtung Borås, wieder hatten wir knapp zwei bis drei Stunden vor uns, aber die Aussicht über dem Wasser mit den vielen kleinen Inseln machten es mehr als erträglich. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und fragte mich dauerhaft, wie toll und schön es doch sein müsste, hier zu leben, fernab großer Menschenmassen und einfach die Ruhe zu genießen.

In Borås gelandet mussten wir uns mit dem Tanken dann doch etwas beeilen, da es so langsam in Richtung frühen Abend ging, wir noch einiges an Strecke vor uns hatten und Papa schließlich im Hellen noch möglichst weit zurückfliegen wollte. Borås sollte auf dem Rückflug zu einem entscheidenden Meilenstein werden, entweder landen und dort bleiben oder noch den Weiterflug nach Höganäs wagen und hoffentlich dort vor Sonnenuntergang ankommen (denn mit einem Abblendlicht für Nachtflüge o.ä. hat es die PA18 ja bekanntlich nicht so wirklich).

Nun hieß es Zähne zusammenbeißen, ein wenig nagte der enge Raum schon an mir und das letzte Stück nach Ekshärad sollte es wirklich in sich haben. Aber da musste ich nun mal durch und verglichen mit dem Aufwand von Papa war das doch ein Witz. Der relativ hohe Anteil von überflogenem Wasser und die gewohnt ruhige und souveräne Flugart halfen einem auch hier wieder. Die Landung zum Abschluss war noch mal relativ abenteuerlich. Nach einer kurzen Platzrunde, um den Wind einzuschätzen, machten wir uns an den finalen Landeanflug, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Wir steuerten den kleinen Flugplatz an, vor uns noch ein kleiner Fluss mit einer kleinen Nussschale und das Slippen von Papa kam dann doch irgendwie aus dem Nichts. Ich kannte die Aktion schon aber so war es doch etwas überraschend und ließ den Puls etwas ansteigen, ich vertraute aber meinem Piloten und sollte nicht enttäuscht werden. Sicher und gesund kamen wir an und machten uns umgehend an die Entladung. Schließlich musste Papa schnell wieder zurück, um im Hellen noch hoffentlich zu Lasse nach Höganäs zu kommen.

Zum Abschluss jagte mir mein lieber Vater dann noch mal einen Schrecken ein. Der Abflug erfolgte sehr tief, ich fragte mich schon, warum er den jetzt nicht abhebe, die Bahn ist doch gleich vorbei, da kommen Bäume. Er blieb so lange so weit unten, ich hatte wirklich kurz die Befürchtung, ich hätte die letzten Stunden mit ihm im Flugzeug verbracht, nur um dann zu sehen, wir er beim Abheben zum Rückflug in ein paar Bäume kracht und ich mir das niemals verzeihen könnte – schließlich ist er den Flug nur meinetwegen angetreten. Er verschwand kurz aus meinem Sichtfeld und erhob sich dann aber wieder über den Bäumen und mir fielen tausend Steine vom Herzen, „Puh, alles noch mal gut gegangen, hoffentlich schaffst du es rechtzeitig nach Höganäs.“

Dieser Schockzustand hielt zum Glück nur kurz an, ich vertrieb mir die nächsten Minuten noch ein wenig mit meinem Football (die Bewegung tat wirklich gut), bis dann meine Freunde mit dem Bier Öl ankamen und ich erst mal von den letzten paar Stunden berichten musste. Sie erzählten auch von ihrer Woche, wir warfen den Ball noch ein wenig und brachen dann zu einem in der Nähe befindlichen schönen Campingplatz auf. Nachdem dort alles errichtet war, ließen wir den Abend bei dem einen oder anderen Glas Whisky ausklingen, wobei mich der gefühlte Beinaheabsturz von Papa noch beschäftigte. Ich kann und möchte mir bis heute nicht vorstellen müssen, wie meine Welt in einem solchen Fall einbrechen würde. Daher war ich umso glücklicher, als ich die Nachricht bekam, er sei gut in Höganäs gelandet (natürlich wenige Minuten vor Sonnenuntergang). Ich erzählte ihm später noch von dem Abflug aus meiner (Laien)-Sicht und der Profi konterte nur eiskalt (ungefährer Wortlaut): „Was? Das war doch alles sicher und geplant. Durch die plötzliche Winddrehung im Tal hatte ich etwas Rückenwind und musste daher unten bleiben und Geschwindigkeit aufbauen.“

Papa also wie immer total cool, ich (übertrieben gesagt) kurz vor dem Nervenzusammenbruch, aber am Ende, und das ist entscheidend, hat alles gepasst und wir hatten ein tolles Erlebnis. Vielen Dank noch mal für all die Mühen und Kosten, die du für deine Familie nicht scheust einzugehen und entschuldige bitte, dass ich mir mit diesem Beitrag so viel Zeit gelassen habe, sehe es vielleicht einfach als zusätzliches Geburtstagsgeschenk 🙂

In Liebe, dein Großer
Julian

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Schweden-Tour und Pipertreffen Tannheim

Meinen fliegerischen Jahresurlaub von 11 Tagen habe ich in Schweden und als Abschluss in Tannheim beim Pipertreffen verbracht. Die erste Etappe ging von Rendsburg über Skagen in Dänemark direkt nach Lidköping ESGL zum Tanken.
Ab Skagen wurden die Flächen sehr heiß, Groundspeed 107 Knoten. Nach einer längeren Bodenzeit wegen Tanken und Gewittern endete den Tag mit einer Gesamtflugzeit von 6:30 Stunden in Siljansnäs ESVS. Hier habe ich den sympathischen und immer hilfsbereiten Ingmar kennengelernt.

Nach 2 Tagen Ruhepause ging es weiter zu Anke und Fabian in Orsa ESNR. Hier
kann man Natur pur erleben. Weitere Infos gibt es hier.

Nach einer Übernachtung in Orsa ESNR brach ich auf zum Veterandag nach
Stockholm Skå-Edeby ESSE. Hier wurden Oldtimer und eine Ausstellung der
älteren Militärgeschichte präsentiert. Der Tag endete mit einem feucht-fröhlichen
Abend und netten Leuten.

Nach einer ruhigen Nacht im Zelt setzte ich meinen Urlaubsflug zum kleinen Privatflugplatz Stegeborg ESVE fort, auf dem ich ganz alleine war. Kleiner Spaziergang nach Stegeborgs Hamnkrog, einer Gaststätte direkt am Wasser, wo ich auf der Terrasse Mittag gegessen hatte. Anschließend flog ich bei bestem Flugwetter die Schären Inseln entlang weiter nach Borglanda ESMB zum Tanken und Übernachten.

Der letzte Tag in Schweden führte nach Strausberg. Der Flug war etwas anstrengend, weil Segelflugwetter mit viel Thermik herrschte. Der Flug über die Ostsee war bei ruhiger Luft eine Entspannung. In Zwickau habe ich einen Stopp bei den Deutschen Segelflugmeisterschaften eingelegt. Weiterflug nach Rothenburg o. d. T. zum Treffpunkt der Büsumer Piperstaffel, um gemeinsam zum Pipertreffen nach Tannheim zu fliegen.

Mein schöner Fliegerurlaub endete mit dem toll organisierten Pipertreffen in Tannheim, wo über 100 Flugzeuge an der Veranstaltung teilnahmen. Gemeinsam mit der Büsumer Piperstaffel bin ich zurück in den hohen Norden geflogen.

Vatertagstour Schweden 2017

Rendsburg-Öresten
Die erste Etappe geht von Rendsburg über Odense, den Kattegat mit 1,5 Std. nur über Wasser nach Öresten, welches 70 km südöstlich von Göteborg liegt. Fast keine Schiffe waren auf dem Kattegat zu sehen. Die Insel Anholt gleicht fast einer Mondlandschaft. Nach der Landung in Öresten wurde ich vom Präsidenten des dortigen Vereins sehr nett empfangen. Er gab mir den Schlüssel für die Blockhütte, in der ich übernachten durfte. Am Abend war ich ganz alleine und habe die Ruhe auf dem Flugplatz genossen.

Öresten-Alingsås-Älmhult-Höganäs
Am nächsten Tag ging es weiter nach Alingsås, eine Stadt in der südschwedischen Provinz Västra Götalands. Auf dem Flugplatz sind viele Segelflieger beheimatet, die mich mit Kaffee und Kuchen verwöhnt haben. Göteborgs Veteranflygsällskap sind dort zu Hause. Die Gruppe kümmert sich um alte Flugzeuge, renoviert sie in perfektem Zustand. Der Star ist eine Götaverken GV 38, Schwedens erstes Serien-Sportflugzeug. Am späten Nachmittag ging es weiter nach Älmhult, in der Provinz Kronobergs län im südschwedischen Småland am südlichen Ende des Sees Möckeln. Nach der Landung habe ich den Präsidenten Inge angerufen, um die LH zu betanken. Nach einem Klönschnack mit einem Modellflieger bin ich Richtung Höganäs gestartet, um am schwedischen Pipertreffen teilnehmen zu können. Obwohl sehr gutes Wetter war, hatten vielen Cubflieger leider nicht den Flugweg nach Höganäs gefunden. Schade, denn der Verein hat sehr viel Arbeit und Mühe in die Vorbereitung für dieses Event gesteckt.

Schweden war wieder eine Reise wert, nette und hilfsbereite Leute und die wunderschöne Landschaft.

Rendsburg – Sejerø – Endelave

Rendsburg – Sejerø – Endelave – Rendsburg 07.05.17
Spontflug nach Sejerø, einer dänischen Insel im Kattegat vor Seeland, nördlich von Kalundborg. Vor dem Start den Flugplatz Eigentümer Jørgen angerufen, um den Flugplatz Status zu erfragen. Auf der kleinen Insel war es sehr ruhig, die ich mit dem Fahrrad erkundet habe. Ein wunderschöner Flugtag endete mit einer Zwischenlandung auf dem Flugplatz Endelave in Rendsburg.